Die Orgel der Katharinen-Kirche

Die Orgel der Katharinen-Kirche in Kadrina (14/II) ist im Jahre 1877 vom Orgelbauer Carl Alexander Herrmann (1847 – 1926) aus Libau/Kurland (heutiges Lettland) ursprünglich für die Jesus-Kirche in St. Petersburg gebaut worden. Im Jahre 1895 wurde die Orgel dann von der Kirchengemeinde in Kadrina/Estland gekauft und übernommen.
Carl Alexander Herrmann hatte die Orgelbaukunst bei seinem Vater Carl Paul Otto Herrmann (1807 – 1868) erlernt. Vater und Sohn Herrmann waren kurländische Orgelbauer, die in zwei Generationen mehr als 180 Instrumente in den Gebieten des heutigen Lettlands, Litauens, Estlands und Russlands gebaut haben. Die Orgel, die heute in der Kirche in Kadrina steht, war das erste Werk des Sohnes Herrmann in St. Petersburg. Nachdem diese Orgel damals von der Abnahmekommission als sehr gut beurteilt worden war, bekam er in St. Petersburg noch mehrere Aufträge und blieb dort bis 1895.
Die in den Herrmann-Werkstätten erbauten Orgeln kann man als einfach aber sorgfältig konstruierte und dadurch zuverlässig funktionierende, überdies klanglich prächtige Instrumente beschreiben. Besonders bemerkenswert ist die kunstvolle Mensurierung und Intonation der Herrmann-Orgeln. Jede Orgel ist ihrem Kirchenraum klanglich und auch architektonisch perfekt angepasst. Für die Disposition ist die Verwendung offener Holzflöten, starker grundtöniger Streicherstimmen, streichender 8-Fuß-Principale, weichklingender Oktaven und tiefer Mixturen sehr charakteristisch. Die Orgel in Kadrina hat eine Zwillingslade.
Der Umfang in Manualen ist C – f3, im Pedal C – d1.


In Kadrina sind die klanglichen Komponenten der Orgel weitgehend nachvollziehbar geblieben. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts sind jedoch viele Reparaturen gemacht worden, die häufig ebenfalls nur laienhaft durchgeführt wurden. Die aktuelle Restaurierung begann mit der Reparatur und teilweisen Rekonstruktion des Windsystems und des Pfeifenwerks. Die Arbeiten wurden von der lettischen Orgelbaufirma "Ugale Orgelbauwerkstatt" (Meister Janis Kalninš) durchgeführt. Während dieser Arbeiten ist die ehemals vorhanden gewesene Balg- und Balgtretanlage weitestgehend wiederhergestellt, das Pfeifenwerk gereinigt und zwei Register nach Vorbildern in anderen Hermann-Orgeln rekonstruiert worden. Dazu wurden noch die notwendigen Dichtungs- und Regulierungsarbeiten am Windsystem vorgenommen. Die neuen Pfeifen wurden im Herrmann’schen Stil intoniert und die gesamte Orgel gestimmt. Ziel der Arbeiten war es, die Orgel klanglich so weit wie möglich zum Originalkonzept zurückzuführen. Zum Abschluss dieses Abschnitts der Restaurierung wurde das Ergebnis dieser Arbeit auf CD dokumentiert.


Foto: Pekka Suikkanen, 2004

Die nächsten zwei Restaurierungsabschnitte wurden in 2009 und 2011 vollendet: die Register- und Spielmechanik wurden repariert und teilweise überarbeitet, um Konstruktionsfehler aus der Umbauzeit zu beheben. Als letzter Schritt ist die Restaurierung des Orgelgehäuses und des Orgelprospektes anzustreben.

Die Restaurierungsarbeiten des Orgelgehäuses und die Sanierung der Orgelempore wurden in den Jahren 2012  - 2014 unter der Leitung vom deutschen Ofrgelrestaurator Alexander Eckert durchgeführt. Finanzielle Zuschüsse dafür haben wir vom LEADER-Programm (EU) und von der weltlichen Gemeindeverwaltung in Kadrina bekommen.


Der Orgelrestaurator Janis Kalnins und die lokale Organistin Külli Erikson.
Foto: Rein Sikk/Eesti Päevaleht 2008



DISPOSITION

I manual II Manual Pedal
Bourdon 16' (Herrmann) Gedackt 8' (Herrmann) Subbass 16' (Herrmann)
Hohlflöte 8' (Herrmann)  Zartflöte 8' (Herrmann) Principal 8' (Herrmann)
Gamba 8' (Herrmann) Salicional 8' (Herrmann)  
Prestant 4' (Herrmann) Flauto 4' (Kalninš)  
Spitzflöte 4' (Herrmann)    
*Cornett 1 - 3 fach (Kalninš)
2' + 2 2/3' (al. c) + 1 3/5' (al. c1 )
   
Mixtur 4 fach
C





2'
1
1/3'
1'
1/2'
c



2
2/3'
2' 1
1/3' 1'

c1

4'
2
2/3' 2' 1
1/3'

c2 5
1/3'
4'
2
2/3'
2'

1/3'

   
Koppel: I / P, II / I

* Registerbezeichnung am Spieltisch: Quinte 2 2/3´